koselimke·4 Min. Lesezeit

Übers Manifestieren und andere Seltsamigkeiten

Übers Manifestieren und andere Seltsamigkeiten

Ich glaube, ich habe schon 500.000-mal übers Manifestieren geschrieben. Es wird mir aber auch nie langweilig, weil ich es nach wie vor nicht hinkriege. Bzw. schon, aber bei mir ist es eher „Manifestieren bei Temu“. Ich bestelle was, und anstatt dass die gute alte Post mir mein Paket bringt, krieg ich es von irgendeinem dubiosen Lieferservice aus’m hintersten Hinterhof.

Habe vor einiger Zeit gesagt: Ich möchte Geschenke bekommen. Ja, man kann jetzt sagen: Kannst du vielleicht mal Weltfrieden manifestieren? Freunde der Sonne: 1. kann ich nicht, weil wer weiß, was daraus entstehen würde, und 2. lasst mich gefälligst auch mal egoistisch sein. Immer Licht und Liebe für die Welt frustet mich auf Dauer auch. Manifestiert ihr doch Weltfrieden.

Weiter im Text: Ich wollte also Geschenke. Hat auch geklappt, im Temu-Style. Zuerst kam meine liebe Nachbarin zu mir und hat mir ihre Happy-Hippo-Sammlung geschenkt. Ich war kurz geneigt zu sagen: „Was soll ich damit? Wenn ich einen Happy Hippo sehen will, dann guck ich einfach in den Spiegel.“ Aber ich wollte nicht undankbar sein, und sie ist so süß und lieb, dass ich ihr eh nichts abschlagen kann.

Vor ein paar Wochen dann klingelte meine andere Nachbarin bei mir und drückte mir ihre Sektgläser mit den folgenden Worten in die Hand: „Ich trink ja nicht, aber du trinkst ja gern mal einen …“ Keine Ahnung, wie die darauf gekommen ist. Evtl. bin ich mal nachts um halb zwei strulle durch den Hausflur getorkelt und hab „Griechischer Wein“ gesungen. Evtl. habe ich in meiner Euphorie auch „Kommt, singt alle mit“ gegrölt und drei Stunden gebraucht, um meine Wohnung aufzuschließen. Aber evtl. ist das auch nur ein Gerücht. Nachdem mir die dritte Nachbarin dann ihre alte Wohnzimmerlampe schenken wollte, habe ich die Geschenke-Nummer wieder abbestellt. War mir zu doof.

Die Story kennen vielleicht schon einige, aber sie ist es mir trotzdem wert, noch einmal erzählt zu werden. Ich habe Sonntagabend kurz vorm Einschlafen in mein Kissen genuschelt: „Universum, ich möchte gern mal wieder einen nackten Mann sehen.“ Und Temu hat prompt geliefert.

Montagmorgen, 7.30 Uhr: Da stand er – nackt am Fenster. Mein Nachbar Udo (Name von der Redaktion frei erfunden), geschätzte 395 Jahre alt. Nun muss man dazu sagen: Der gute Udo wohnt im Erdgeschoss, und seine Fenster enden ungefähr auf Kniehöhe. Mein Blick wanderte also wie von Geisterhand geführt von seinem verschlafenen Gesicht langsam nach unten, auch wenn mein Kopf da bereits dachte: Imke, guck nicht hin! Gesicht. Bauch. Pipimann. Knie. Und irgendwo dazwischen baumelte der Hodensack. Die Klöten selbst hingen allerdings so tief, dass das Fenster bereits die Sicht versperrte. Es hatte ein bisschen was von einem sehr langen, traurigen Faltenhund.

Und da dachte ich: Universum, wir müssen reden. Das habe ich nicht gemeint! Ich wollte einen schönen, knackigen Mann nackig sehen, nicht Udo mit dem Schrumpelhoden. Mir ist echt gar nichts vergönnt. Udo hat das übrigens gar nicht gejuckt. Der stand da und hat sich wahrscheinlich gedacht: „Ja, guck hin. Was meinst du, wie du bald aussehen wirst? Da stolperst du selber über deine Schamlippen! Viel Spaß!“

Gut. Dann habe ich gedacht: Nächstes Jahr will ich mal auf ein Konzert von einem ganz bekannten Sänger, der den Ladys die Schlüppa um die Ohren knallen lässt. (Ich sachs, wie es ist: Ich hatte auf Drake spekuliert. Der soll mich auf die Bühne holen, mich verliebt anschauen und mit mir in den Sonnenuntergang tanzen.)

Ich geh nächsten Sommer zu Roland Kaiser. Ist im Grunde dasselbe.

Ich sehe es schon vor mir: Roland holt mich auf die Bühne, singt „Dich zu lieben“, und wir schwofen eng umschlungen im Discofox über die Bühne. Und spätestens bei der ersten Drehung werde ich dank Udo denken: Hoffentlich stolpere ich nicht über seine Hoden. Aber gut – mit alten Männerhoden kenne ich mich mittlerweile ja aus. Man wächst schließlich an seinen Aufgaben.

Was lernen wir also daraus? Manifestieren funktioniert, aber man darf spezifisch werden. Ich teste das jetzt und halte euch über meine Erfahrungen natürlich auf dem Laufenden.

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