koselimke·6 Min. Lesezeit
Warum wollen wir ausgerechnet die Menschen, die uns augenscheinlich nicht wollen?
Ich habe in den letzten Jahren reichlich Feldforschung betrieben, eigene Erfahrungen gesammelt, Beobachtungen angestellt und Erkenntnisse zusammengetragen. Und das nicht nur aus meinem eigenen Datingleben, sondern auch durch meine berufliche Begleitung von Frauen, mit denen ich seit Jahren an den Themen Beziehung, Nähe, Distanz und zwischenmenschlichen Dynamiken arbeite.
Dabei bin ich immer wieder auf dasselbe Phänomen gestoßen:
Sobald wir nur noch ein geringes Maß an Interesse bekommen, fangen wir an, uns selbst zu hinterfragen.
Wir werden geghostet und fragen uns, was wir falsch gemacht haben. Wir bekommen keine vollständigen Sätze mehr, sondern nur noch ein paar hingeworfene Wörter und überlegen, ob wir vielleicht zu viel erwarten. Wir merken, dass sich etwas verändert hat, und suchen den Fehler erst einmal bei uns.
Und dann passiert etwas besonders Interessantes: Wir fangen an, uns kleiner zu machen.
Er schreibt nur noch einen Satz? Dann schreibe ich besser auch nicht so viel. Nicht, dass ihm meine Nachrichten zu lang sind. Vielleicht sind ausführliche Sprachnachrichten zu anstrengend? Vielleicht sollte ich weniger fragen? Vielleicht erzähle ich lieber weniger? Vielleicht schicke ich doch nur noch Bilder, auf denen ich mit hochgeschnallten Titten zu sehen bin?
Plötzlich passen wir unsere Kommunikation an ein Niveau an, auf dem wir uns eigentlich überhaupt nicht wohlfühlen.
Aber warum machen wir das? Warum beschäftigen wir uns ausgerechnet mit den Menschen besonders intensiv, die uns so wenig entgegenbringen?
Weil Distanz Fragen aufwirft, die wir unbedingt beantworten wollen!
(Oh ja, Ladies, lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Das heißt nämlich auch: Euer Klaus ist vielleicht gar nicht so geil. Und es liegt möglicherweise gar nicht daran, dass ihr ihn einfach nicht vergessen könnt. 😉)
Wenn jemand sich zurückzieht, wollen wir verstehen, warum. Wir analysieren Nachrichten, interpretieren Verhaltensweisen und suchen nach Erklärungen. Jedes kleine Lebenszeichen bekommt plötzlich eine Bedeutung, die es vorher vielleicht gar nicht hatte. Und genau dadurch bekommt dieser Mensch immer mehr Raum in unseren Gedanken.
Wir beschäftigen uns irgendwann nicht mehr damit, herauszufinden, ob dieser Mensch überhaupt zu uns passt. Wir sind nur noch damit beschäftigt, herauszufinden, wie wir es schaffen, dass er uns will.
Ich höre in meinen Coachings immer wieder die gleichen Sätze von Frauen:
„Früher war er doch anders.“ „Am Anfang hat er sich noch Mühe gegeben.“ „Was ist passiert?“
Ich erlebe Frauen, die Männer auf Social Media regelrecht stalken und feststellen: Er hat Zeit, 25 Storys zu posten, aber schafft es nicht, mir auf meine Nachricht zu antworten. Er kann drei Stunden in einem Café sitzen, aber findet keine Zeit mehr, sich mit mir zu treffen.
Und dann kommt immer wieder dieselbe Frage: „Was stimmt mit mir nicht?“
Warum glaubst du eigentlich, dass mit dir etwas nicht stimmt?
Du bist eine Verbindung mit einem erwachsenen (!) Menschen eingegangen. Eigentlich brauche ich an dieser Stelle schon gar nichts mehr weiter zu sagen.
Ein erwachsener Mensch sollte in der Lage sein zu kommunizieren. Auszudrücken, wozu er bereit ist und wozu nicht.
Hier meine Top 6 an Gründen, warum keine Kommunikation stattfinden kann:
📱 Handy beim Kacken ins Klo gefallen.
🐻 Wurde von einem Bären gefressen.
🔤 Hat aus neurologischen Gründen vergessen, wie man Buchstaben zu Wörtern zusammensetzt.
🕰️ Hat „Ich melde mich später“ gesagt, wurde ASAP von Marty McFly gekidnappt und musste mit ihm zurück in die Zukunft reisen.
🔫 Wird von der russischen Mafia abgeknallt, sobald er versucht, dir eine Nachricht zu schicken.
🪐 Merkur ist rückläufig.
Alles andere ist keine Ausrede.
Ein Mensch sollte in der Lage sein, dir zu sagen: „Es tut mir leid, aber ich habe kein Interesse mehr. Ich fühle unsere Verbindung nicht.“
Oder – denn auch das kann vorkommen: „Unsere Verbindung ist sehr nah. Ich weiß im Moment selbst nicht, wohin das führt und wie ich damit umgehen soll.“
Vielleicht auch: „Ich bin Bettnässer und habe Angst, dich nachts anzustrullern, wenn wir zusammen schlafen. Deshalb halte ich dich lieber auf Abstand.“
Auch das kann ein Grund sein. Auch das ist Kommunikation. Und vor allem ist es ein fairer Umgang mit dem Menschen, mit dem man eine Verbindung eingegangen ist.
Vergiss bitte nicht: Zwei Menschen gehen eine Verbindung miteinander ein. Es ist ja nicht so, dass du dich auf Klaus einlässt, während der auf Wolke 25 in Dödelkoppdorf völlig unbeteiligt seine Zeit damit verbringt, sich einen Finger in die Nase zu stecken und sich Gedanken über die Erderwärmung zu machen. Nach dem Motto: „Ja nö, wieso? Ich bin hier ja gar nicht mit drin.“
Doch, lieber Klaus. Bist du. Und da frage ich mich manchmal wirklich: Sag mal, bist du deppert oder wat?
An der Stelle möchte ich Männern gerne sagen: „Lieber Klaus, hör bitte auf, Gabi mit deiner fehlenden Kommunikation allein zu lassen und ihr anschließend noch vorzuwerfen, dass SIE damit nicht entspannt umgehen kann.“
Wenn eine Frau den Mut aufbringt, ihre Bedürfnisse zu formulieren und klar zu sagen, was sie möchte und was sie nicht möchte, wird sie plötzlich schwierig.
Sie ist kompliziert. Anstrengend. Macht sich zu viele Gedanken. Zu unentspannt. Hat ihre Tage. Lässt die Libido erkalten, wandelt das Testosteron in Östrogen um und plötzlich wächst Klaus eine Schamlippe am rechten Hoden. Hilfe, Hilfe! Alarm, Alarm!
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, dass Leichtigkeit häufig mit Beliebigkeit und Unkompliziertheit mit Gleichgültigkeit verwechselt wird.
Eine Frau, die ihre Bedürfnisse kennt und kommuniziert, ist nicht automatisch kompliziert. Ein Mann hingegen, der möglichst wenig investieren möchte, ist nicht automatisch unkompliziert.
Was ist also die Lösung bei diesem Dilemma?
Auch wenn es manchmal schwerfällt: Wir dürfen akzeptieren, wenn ein Mensch nicht bereit ist, mit uns weiterzugehen.
Dabei geht es nicht zwangsläufig um eine feste Beziehung oder darum, dass aus einer Begegnung eine solche entstehen muss. Denn auch eine Kennenlernphase, ein lockeres Dating oder eine Freundschaft-plus-Konstellation kann schön und erfüllend sein – vorausgesetzt, beide möchten das und bringen sich entsprechend ein.
Wenn aber bereits auf dieser Ebene kaum Interesse, Initiative oder Invest erkennbar sind, müssen wir anfangen, ehrlich zu uns selbst zu sein.
Wir müssen uns nicht fragen, was mit uns nicht stimmt oder was wir anders machen könnten, damit der andere sich mehr bemüht.
Wir dürfen stattdessen anerkennen: Ich habe Potenzial in unserer Verbindung gesehen und mir vorstellen können, dass daraus etwas Schönes entsteht. Aber letztendlich ist es nur bei diesem Potenzial geblieben.
Denn am Ende sollte es nicht darum gehen, wie wir es schaffen, dass jemand uns will, sondern darum, ob WIR wollen, was dieser Mensch uns entgegenbringt.
Oder, um es in meinen Worten zu sagen: Klaus, geh mit Gott, aber geh. Und nimm deine Freunde aus Hampelmannhausen gleich mit.
Ganz ehrlich, Jungens: Zeigt euren Ladies doch endlich mal, dass ihr sie gern habt. Wie lang muss ich mir noch den Mund fusselig reden? Machen wir uns nichts vor: Wir wissen alle, dass es da draußen nicht mehr allzu viele potenzielle Knüller gibt.
Tschüssen! ✌🏻